Ariane von Niepello

Übungen in Anlehnung an die Methode Jerzy Grotowski

Einige der Grotowski-Übungen werden nachfolgend von Dr.h.c. Ariane von Niepello demonstriert:
Übungen auf der Matte an der Schwelle zur Akrobatik in Anlehnung nach Jerzy Grotowski

 

Bild 01:
Beim Kopfstand befindet sich der Körper in einem spannungsfreien Zustand.
Während dieser Übung wird die gesamte Stimmskale von tief bis hoch trainiert.
Mit dem Vokal A durchlaufen wir die gesamte Stimmskale.
Das verleiht unserer Stimme Tonalität und trainiert das Stimmvolumen. 01
Bild 02:
Einhandstand. Diese Version des Handstandes ergibt sich aus dem regulären zweiarmigen Handstand. Fühlt sich der Schauspieler stabil in seinem Körper, kann er diese Übung während einer freien Improvisation anwenden.02

 

Bild 03.
Handstand.03

 

Bild 04.
Armstand. Bei Handstand und Armstand trainiert der Schauspieler das Gleichgewicht, gleichzeitig vermitteln diese Übungen Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper. 04
Bild 05+06.
Wiege.  Für diese Übung ist eine Bauchlage notwendig, die Hände umfassen die Knöchel und der Körper wiegt vor und zurück. Diese Übung stellt eine Ausgangsposition für weitere Trainingselemente dar. Diese Übung ist für die Elastizität der Wirbelsäule. 06 05
Bild 07+ 08.
Der Geier. Ausgangsposition ist der Vierfüßlerstand. Beide Hände liegen mit ausgespreizten Fingern auf dem Boden. Auf den Oberarmen werden die Knie abgestützt, die Füße heben vom Boden ab. Diese Position wird gehalten und wiederholt. Diese Übung trainiert die Körperballance und dient der Überwindung.  07 08
Bild 09.
Atemübungen. Der Schauspieler befindet sich in der Bauchlage, die Hände sind hierbei nach vorne ausgestreckt. Beim Einatmen werden gleichzeitig die linke Hand und das rechte Bein und umgekehrt, vom Boden abgehoben – während das Ausatmens geht man zurück in die Ausgangsposition.  09
Bild 10.
Ausgangsposition für diese Übung ist die Kerze. Danach werden die Beine kopfüber zum Boden bewegt. Ziel ist es , beim Ein- und Ausatmen in die Flanken zu atmen.  10
Bild 11.
Der Staubsauger. Aus dem Vierfüßlerstand auf die Versen setzen, dabei die Hände soweit wie möglich nach vorne strecken. Lippen und Nase sollten den Boden fast berühren. Der Oberkörper wird fließend vor und zurück bewegt, wobei die Bewegungsendpunkte gehalten werden.  11
Bild 12.
Diese Grundposition ist Ausgangspunkt zum trainieren für Fallübungen, sowie für die Brücke. Primär dabei ist die Dehnung des Oberkörpers.  12
Bild 13+14.
Freie Improvisation. Hierbei werden Übungselemente ausgeführt und mit psychischen Vorgängen verbunden. Akrobatische Übungen und das Körperalphabeth werden beliebig kombiniert, damit gelingt es dem Schauspieler, seinen Subtext und seine Geschichte zu erzählen.13 14
Bild 15+16.
Vorbereitendes Training für die Arbeitselemente des Körperalphabeths. Die Elemente werden viele Stunden trainiert, damit es dem Schauspieler gelingt, sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden. Somit erreicht er die Fähigkeit, seinen Körper als Instrument für Ausdruck und Gestik zu trainieren. Das Ziel ist, soweit in seine eigen Psyche vorzudringen, bis er die Fähigkeiten des eigenen Körpers beherrschen kann. Dies ist die Grundlage für die Arbeit an der Rolle und ein Meilenstein dafür, den totalen Akt auf der Bühne zu erreichen.15 16
Bild 17.
Der Katzenbuckel. Ausgangsposition für diese Übung ist der Vierfüßlerstand, der Rücken wird gebuckelt und dabei der Kopf soweit gesenkt, bis beide Beine zu sehen sind.17
Bild 18.
Das Pferd im Zaum halten. Bei dieser Übung wehr sich das imaginäre Pferd, festgehalten zu werden. Aufgabe ist es, das Pferd nicht entwischen zu lassen. Primär bei dieser Übung ist, dass alle Bewegungen aus der Hüfte entspringen.18
Bild 19.
Kämpfen mit dem Wind. Der Schauspieler befindet sich in einer Situation eines imaginären Sandsturms. Seine Aufgabe ist es, mit Körper und Stimme gegen den Wind anzukämpfen. Dabei muss es ihm gelingen sein Stimmspektrum zu nutzen.19
Bild 20.
Warm-up. Diese Übung ist primärer Bestandteil des Aufwärmtrainings, um die benötigte Elastizität des Körpers zu erreichen, die dringend erforderlich ist, um weitere Elemente das Körperalphabeths praktizieren zu können. Ausgangsposition für Übungen jeglicher Art ist ein Körper ohne Widerstand.21
Bild 21.bis 24.
Die freie Improvisation.  Die primäre Aufgabe der freien Improvisation ist es, das sich der widerstandslose Körper rhytmisch und mit Tempowechsel durch den ganzen Raum bewegt. Lee Strasberg sagt, das diese Übung das sogenannte Sence Memory (das emotionale Gedächtnis) trainiert. Strasberg war auf der Suche nach einer Methode welche große, theatralische Gesten für den Film minimieren sollte. Die Übungen sollten zu einem minimierten, aber von einem Emotionen- und Empfindungen erfülltem Spiel beitragen. Primär dabei ist, das die Bewegung immer kontrolliert geführt ist, keineswegs darf sie derart spontan sein, das sie zu einer Hysterie führt und somit zu unkontrollierten Emotionen – die keine Kunst mehr sind. Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle basiert auf der eigenen Persönlichkeit, muss jedoch kontrolliert und mit ausgeprägtem Bewusstsein für die eigenen Mittel erfolgen. Die Improvisationen erfolgen ohne jegliche zeitliche Begrenzung und ohne sichtbare Uhr.20 22 23 24
Ariane von Niepello | "Bühne des Lebens"
©2016